Eine Hochsee-Angel-Reise zu den Dorschen in der Ostsee bald Geschichte?

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„Hier ist der Dorsch“, ruft der Kapitän, wendet den Kutter und bringt ihn zum Stillstand.

Oktober 2016: So schön einfach war es noch vor ein paar Jahren, aber jetzt ändert sich ALLES!

Ein neues EU-Limit verordnet: Angler dürfen nur noch fünf Dorsche fangen! Gut, die Dorsche freuen sich.

Aber es ist ein tiefer Einschnitt ins Tourismusgeschäft. Kamen die Angler aus ganz Deutschland, um beim Hochsee-Angeln ihr Glück zu versuchen, „bis die Kiste überläuft“, sind ab 2017 nur noch 5 Fische pro Tag erlaubt. In der Laichsaison Februar und März nur noch drei! Das ist das Aus für die Anbieter von Angeltouren, weil kein Mensch hier anreist, Übernachtung bezahlt und Verpflegung, um mit 5 Fischen nach Hause zu fahren.

Rund 40 Anbieter für Hochseeangeln gibt es. Zum Jahresende werden viele Mitarbeiter vorerst entlassen. Der Umbau der Kutter auf Fahrgastschiffe ist auch ein heikles und teures Unterfangen. Etwa 200.000 Euro pro Schiff.

90.000 Angler waren 2015 mit Kuttern, privat oder von der Küste aus auf Jagd nach dem edlen Fisch. Zwei Drittel kamen aus anderen Bundesländern. Mit knapp 3000 Tonnen gefangenem Fisch pro Jahr erbeuteten die Hobby-Angler in etwa so viel Dorsche wie die Berufsfischer, die mit dieser Quote ihr eigenes Los aufgebürdet bekommen.

Natürlich: Wenn der Dorsch knapp wird, ist eine Quote wichtig, sonst gibts ja bald keinen mehr. Bei allem Spaß, den so eine Hochsee-Angel-Reise macht:

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Mit einem Hupton signalisiert der Kapitän den Anglern, dass sie ihre Ruten auswerfen können. Nicht lange dauert es, bis die ersten stattlichen Dorsche an den Angeln hängen und in den dafür vorgesehen Boxen landen. Dann geht die Reise weiter, bis der nächste Fischschwarm aufgestöbert ist.

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Angelfahrten mit dem Hochseekutter „M. J. Kalinin“ vor der Küste der Insel Rügen haben ihren besonderen Reiz. Dafür kommen Angler in den Monaten September bis Mai aus ganz Deutschland und reisen extra deswegen an die Ostsee. Ob aus Sachsen, Brandenburg, Berlin oder Bayern, spielt dabei keine Rolle.

Da stört auch keine Dunkelheit am frühen Morgen – ebenso wenig die Kälte. Der Kutter verlässt den Sassnitzer Hafen und schaukelt auf den Wellen Richtung Norden. Vorbei an der berühmten Kreideküste, die nur durch das Blinken des Leuchtturms am Kolliker Ort wahrgenommen wird. Im Osten kündigt die Sonne einen schönen Tag an…

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Aufmerksam überwacht der Kapitän das Echolot. Der rote senkrechte Strich rechts am unteren Ende im Monitor ist ein Fischschwarm. Der Käpt’n sieht dabei auch, um welche Art von Fischen es sich handelt. Inzwischen scheint die Sonne, wie sie es besser nicht machen kann, und die Angler halten sich immer wieder bereit, bis sie wieder durch das Hupsignal ihre Angeln auswerfen können. Dabei freuen sie sich auch auf die Versorgung durch die bordeigene Küche.

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Allerdings gibt es auch andere Abenteuer zu erleben. Wenn sich zum Beispiel eine Möwe in ihrer Gier in einer Angelschnur verheddert und so eben auch erst geangelt werden muss. Allerdings wurde sie sanft mit dem Kescher auf die „Kalinin“ gezogen, aus der Schnur befreit und konnte ihren Flug über die Ostsee schnell wieder fortsetzen.

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Und so vergeht ein spannender Tag auf der insgesamt recht ruhigen Ostsee bei schönstem Sonnenschein. Manche Angler holen die Dorsche zu Dutzenden aus dem Wasser, andere wiederum freuen sich über 2 – 3 Exemplare, aber Spaß haben sie alle.

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Besonders an diesem Tag, weil da die Sonne direkt auf die Ostsee schien.

Auf den Inseln und an Land war das Wetter doch eher etwas betrüblich. Besonders bezaubernd war es, auf der Heimfahrt die Sonne nur in dem Nebelfeld zu sehen, während die Möwen auf die Fischabfälle der sofort verarbeiteten Dorsche warteten und diese Heimreise begleiteten.

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Nach getaner Arbeit genießen alle nur noch die imposante Heimreise

in den Sassnitzer Hafen. Begleitet von der untergehenden Sonne und den Möwen…

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…bis die Insel Rügen wieder graziös aus dem Nebelschleier auftaucht…

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…und Sassnitz in einem  bezaubernden Abendrot leuchtet…

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… ein junger Bengel mit einem Einrad auf dem Molenkopf rings um den Leuchtturm elegant und gekonnt – wenn auch sehr gewagt – seine Runden dreht. Und dann war’s das schon. Die Reise ging im Dunkeln los und endete, als die Sonne schlafen ging und die Gäste ihren Fang vom Kutter trugen.

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⇒ Die Kalinin ist in Rente! Angelfahrten zum Dorsch wird es weiterhin geben.  Auf den Charme dieses Kutters allerdings müssen wir nun leider seit 1. Mai 2013 verzichten".
Übrigens wird offiziell empfohlen, die Dorschleber nicht mehr zu essen, da sie stark mit giftigen Stoffen belastet sein kann.

Autor: Marius Jaster

Aus Liebe zur Natur, besonders aber zum Meer und zu den Landschaften, die von Wind und Meer geprägt sind, bin ich seit einigen Jahren als Ostseereporter unterwegs gewesen. Jetzt treibt mich als Inselreporter die Sehnsucht bevorzugt auf die Inseln, die ich mag. Und zwar nicht nur die der Ostsee. Ich arbeite als Freier Publizist und publiziere in verschiedenen Medien durch Texte, Bilder, Filme, sowie durch eigene Bücher.

2 Gedanken zu „Eine Hochsee-Angel-Reise zu den Dorschen in der Ostsee bald Geschichte?“

  1. Ich gebe zu, ich kenne Sie auch die Kutterfahrten mit 20 und mehr Dorschen. Allerdings meine letzten Kutterfahrten, Orth, Heiligenhafen und Eckernförde waren so, das sich alle gefreut hätten wenn 5 Dorsche pro Mann in der Kiste gewesen wären.
    Jetzt habe ich ein kleines Boot auf Rügen liegen und muss damit sagen 5 Dorsche reichen mir.
    Allerdings kann ich auch die gewerblichen Anbieter verstehen und kann hier nur an die Angler apellieren: macht Eure Fahrten weiterhin und seht die Angeltour nicht unter dem Aspekt die Truhe zu füllen, sondern als einen wunderbaren Tag auf See an dem man seinem Hobby frönen kann und dann auch noch 5 Dorsche mitnehmen darf.

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