Die Bahn hat Schuld. Immer! Außer manchmal. Da eben nicht.

Manchmal kommt die Bahn später als erwartet. Dann sind „DIE VON DER BAHN“ alle böse! Aktuell die Chefin: Evelyn Palla. Aber sie ist nicht neu in ihrem Job. Sie hat einen eigenen Lokführerschein, kennt sich aus, hat die regionale Bahn gut aufgeräumt und ist jetzt auch für den Fernverkehr zuständig. Und jetzt räumt sie den Rest auf, da bin ich mir ganz sicher. Schau ihr in die Augen. Sie liebt es! Sie MACHT es. Solche Augen siehst Du nur, wenn Begeisterung dahinter steckt. Und das ist ihr anzusehen. Und die ersten Ergebnisse sichtbar. Selbst auf der Insel Rügen, wo „ALLES erst 15 Jahre später ankommt“. So sagen es die Leute jedenfalls.

Letztes Jahr gab es etwa 26.000 Baustellen bei der Bahn. Dieses Jahr sind es 28.000! Jo, das will erst mal gestemmt, verwaltet, organisiert werden – und nebenbei die Züge, die ja dann trotzdem dran vorbei, drum herum oder irgendwie fahren müssen, notfalls eine Zeit durch Busse ersetzt.

Auf der Insel Rügen jedenfalls – und das ist eben neu – machen sie Ratz-Fatz, nicht alles auf einmal, aber das Wichtigste zuerst. Und schnell und gut.

Die Gegenseite:

Die, die mit der Bahn fahren wollten, sind sauer traurig, genervt, gestresst oder sonst irgendwas.

Vielleicht auch wütend. Wenn sie es wollten und nicht konnten, weil gar kein Zug kam – oder mitunter VIEL ZU SPÄT, so dass alle anderen Anschlüsse „im Eimer“ waren.

Aber, wer Auto fährt, kennt es auch, wenn plötzlich etwas Unerwartetes passiert. Sei es ein Unfall, eine mit Wasser gefüllte Bahnunterführung, ein Schneesturm, oder auch nur eine ausgeweitete allgemeine Kontrolle der Pozilei.

Manchmal hat das Gründe! Verbrecherjagd – oder die Jagd nach angezeigten Suff-Fahrern – oder eben eine normale Pozileikontrolle. „Die Papiere bitte! Führerschein, Autopapiere…“. Auch das dauert bekanntlich. Aber dann geht es in eigener Zuständigkeit weiter. Unabhängig.

Im Gegensatz zu Flugzeugen, wo neben der Organisation sogar das eigene Leben in die Regie des Flugkapitäns übergeben wird. Auch bei Schiffen ist es so. Stichwort: Titanic.

Bei der Bahn ist das anders. Da warten Züge auf Anschlussreisende – und so kommt eine Verspätung zur nächsten.

Aber es gibt auch Situationen, die anders sind: Da steht etwas auf der Schiene, oder liegt – manchmal auch schon als „Matsche“, egal, ob Mensch oder Reh. Nee, nicht egal! Beim Reh, wenn es knallt und rumpelt, aber der Zug keinen Schaden hat, wird es gemeldet, der Zug fährt einfach weiter. Jemand anderes kümmert sich um das Tier. Beim Menschen: Grundsätzlich Stillstand. Was kann die Bahn dafür – egal, ob der Mensch das so wollte, oder eben vielleicht nicht?

Er kann gestoßen werden, er kann bereits tot auf die Schiene gebracht werden, er kann Haltesignale und Halbschranken ignorieren oder es versagt einfach seine Technik. Oder andere.

Respekt vor dem Pfingstwochende?

So war es am Freitag vor Pfingsten. 22. Mai 2026. Ich war ein bisschen Fahrrad fahren am Vormittag. Es war ein schöner Tag. Einer der Wenigen, denn sonst war es im Rest des Jahres entweder zu kalt, zu nass, zu stürmisch – oder eine Kombination davon. Selbst wenn dann mal die Sonne schien, war die Kombination: zu kalt. Oder zu stürmisch. Oder beides.

Das Wetter macht im Jahr 2026 erst mal grundsätzlich was es will. „Es ist eklig“ ist vielleicht ein bisschen übertrieben. Aber Spaß macht es auch nicht. Ein bisschen liegt es an der kalten Ostsee, die ja in den Wintermonaten ausnahmsweise auch mal wieder winterliche Temperaturen erleben durfte und sich stellenweise auch daran erinnern konnte, was EIS ist.

So hatte die „Vitte“, die als Fähre zwischen Schaprode und Hiddensee pendelt, größere Probleme. Sie ist eistauglich und die einzige, die auch größere Lasten transportieren kann. Und sie musste mit einem Eisschaden in die Werft nach Stralsund. Für viele Urlauber: Urlaubsende, bevor er begann. Nur noch das Allernötigste wurde anders transportiert. So zum Beispiel Lebensmittel für die Bevölkerung.

Als die Fähre wieder einsatzbereit hätte sein können, war das „Wasser weg“. Okay, nicht ganz weg, aber der historische Wassertiefstand der Ostsee war 67 Zentimeter unter dem Durchnitt. Das gab es seit 1886 nicht. Lang anhaltende und kräftige Ostwinde drückten 275 Millionen Kubikmeter Wasser in die Nordsee.

In Sassnitz Mukran konnten die LNG-Tanker zeitweise nicht an- und ablegen. Da mussten erst Eisbrecher ran.

Oh je, ich schweife ab. Also zurück zum Freitag vor Pfingsten:

Ich fuhr Fahrrad. Es war allerdings nicht möglich, irgendwo Ruhe zu finden. Auf der Insel Rügen. An beliebten Plätzen, ein paar Minuten innehalten: No Chanche!

Überall brüllten Rasenmäher. Sowohl auf privaten Grundstücken, als auch am Straßenrand. Natürlich auch am Rande des Radweges und bei den beliebten Rastplätzen…

Letzte Hoffnung: „Vielleicht am Bahnhof.“ Okay, hier in Samtens auf Rügen ist es kein Bahnhof. Eher eine Haltestation. Mit jeweils zwei überdachten Wartehäuschen, einer Bushaltestelle gleichend.

Der Gedanke war kein Guter!

Die Deutsche Bahn macht mit Rasentrimmern zwischen den Gleisen und rings um den Bahnübergang einen Heidenlärm. Und die Straßenmeisterei will über den Bahnübergang, um dahinter die Straßengräben zu mähen. Klar, es muss alles schick sein, wenn am Sonntag der Heilige Geist aufschlägt. Ihm war es bei der langen Anreise wohl auch schon zu laut, also blieb der Rasenmäher der Straßenmeisterei mitten auf dem Bahnübergang stehen.

Just in diesem Moment gingen die Schranken runter – eine Minute später kam der Zug von Rostock nach Sassnitz, der allerdings sowieso einen Halt am Bahnhof einlegen wollte. Passiert also ist nichts.

Lediglich die Menschen, die über den Bahnübergang wollten, standen plötzlich vor einer Schranke, die erst hochgeht, wenn der Zug weitergefahren ist. Der allerdings bleibt stehen, so lange, wie sich etwas auf der Schiene befindet. Bei der Bahn gelten andere Regeln als auf der Straße, wo die Polizei vielleicht an der Unfallstelle vorbei leiten kann.

Bahnstrecke gesperrt. Patt!

Wenigstens kehrte Ruhe ein. Lediglich die Fußgänger durften nach der Streckensperrung unter den Schranken durch. Aber die Rasentrimmer der Bahn waren plötzlich aus. Der ganze Autoverkehr – LKW, Traktoren mit riesigen Hängern und natürlich der normale PKW-Verkehr: Alles, was an dieser Kreuzung über die Gleise rumpeln wollte, stand still.

Natürlich auch der Zug. Und der Gegenzug ca. 30 Minuten später von Sassnitz nach Rostock auch.

Kurzum: Freitag vor Pfingsten mit erhöhtem Reiseverkehr stehen in diesem Moment Menschen in Bergen auf Rügen, die nach Sassnitz wollen und nach Binz. Dort wiederum warten Menschen, die nach Stralsund oder Rostock wollen – oder irgendwohin dazwischen… Oder noch weiter weg.

Ein System ist aus den Fugen. Weil ein Rasenmäher auf der Schiene steht. Ach so, die zwei ICE- Züge, die stündlich fahren und der eine IC kommen auch nicht weiter…

Auch dann, wenn Anschlusszüge mitunter ein paar Minuten warten – aber fast eine Stunde ganz sicher nicht.

Wer dann, und vor allem WIE dieses Chaos wieder sortiert, weiß ich nicht. Am Abend lief zumindest bei den Regionalbahnen auf Rügen wieder alles reibungslos. Und irgendwie wird wohl jeder Reisende, der bereits am Vormittag unterwegs war, auch angekommen sein. Egal, welcher Anschlusszug in welche Richtung verpasst wurde.

Nach etwa 45 Minuten Ratlosigkeit öffneten sich die Schranken – manuell gesteuert. Da wurde der Rasenmäher weggeschoben und gezogen, der STAU (kommt im Ursprung von STehende AUtos) durfte auch ein Stück weit kürzer werden, bis die Schranken wieder nach unten gingen, damit der Zug endlich fahren kann.

Autor: Marius Jaster

Aus Liebe zur Natur, besonders aber zum Meer und zu den Landschaften, die von Wind und Meer geprägt sind, bin ich seit einigen Jahren als Ostseereporter unterwegs gewesen. Jetzt treibt mich als Inselreporter die Sehnsucht bevorzugt auf die Inseln, die ich mag. Und zwar nicht nur die der Ostsee. Ich arbeite als Freier Publizist und publiziere in verschiedenen Medien durch Texte, Bilder, Filme, sowie durch eigene Bücher.

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