Der „Rasende Roland“ und sein kleines Geheimnis

Dampflok
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Bekannt ist der „Rasende Roland“ auf der Insel Rügen ja wie ein bunter Hund. Aber WER oder WAS ist er wirklich?

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Schnauft den ganzen Tag zwischen Putbus und Göhren hin und her – als ganz normales Verkehrsmittel: Der „Rasende Roland“

Auch über Deutschlands Ländergrenzen hinweg ist der „Rasende Roland“ bekannt. So bekannt, dass eine Ansichtskarte mit der Adresse „Rasender Roland ⇒  Insel Rügen ⇒  Germany“ mit großer Wahrscheinlichkeit tatsächlich bei der „Rügenschen Bäderbahn“ (RüBB) ankommen wird. Dauert vielleicht ein bisschen…

Bunte Hunde haben die Eigenart, dass sie auffallen und schnell wahrgenommen werden. Und wer keinen zu Gesicht bekommt, kennt ihn – wenn es einen gibt – mit Sicherheit vom Hören-Sagen.

Foto: Sabine Funke
Foto: Sabine Funke

Der „Rasende Roland“ verfügt über den gleichen Bekanntheitsgrad. Wer auf Rügen lebt, kennt ihn garantiert und diese Bekanntheit intensiviert sich mit der Dauer der Anwesenheit. Auch viele Touristen kennen ihn mit jedem Besuch ein bisschen besser. Und doch gibt es viele Menschen, die haben ihn noch nie gesehen – oder nur auf Ansichtskarten. Andere haben ihn gesehen und können ihn noch nicht richtig einordnen.

„Der fährt aber nur heute“, ist die beliebte Frage einiger begeisterter Menschen – etwa bei Bahnhofsfesten. Und damit kommt schon das erste Geheimnis: Es gibt sicher einige historische Schmalspurbahnen in Deutschland, die nur zu besonderen Anlässen eingesetzt werden. Aber:

Der „Rasende Roland“, also die „Rügensche Bäderbahn“(RüBB)  ist ein völlig reguläres Verkehrsmittel auf der Insel Rügen, mit einem Sommer- und einem Winterfahrplan. Dabei werden täglich für alle planmäßig verkehrenden Personenzüge Dampflokomotiven eingesetzt. Und in den nächsten 10 Jahren wird das auch so bleiben. Insgesamt sind 9 Dampflokomotiven aus 5 verschiedenen Baureihen (1914 – 1953) vorhanden. Außerdem zwei Dieselloks, hauptsächlich zum Rangieren. Diese Bahn verbindet die Residenzstadt Putbus mit den Ostseebädern.

Genau genommen ist es nicht EIN „Rasender Roland“, sondern mindestens zwei – in der Hauptsaison noch durch einen dritten ergänzt.

Ach ja, da ist ja noch ein Geheimnis: Im Sommer gibt es einen Spätzug! Der fährt von Göhren nach Binz und dann auch mitten in der Nacht wieder zurück. Ein Luxus für alle Partygänger! Weil: Auto stehen lassen, ausgelassen feiern und dann mit dem "Rasenden Roland" wieder zurück. Stressfrei, sicher... Die Wenigsten wissen das! Und doch ist dieses Angebot da!

Betreiber der Bahn ist seit 10 Jahren die „Eisenbahn-Bau- und Betriebsgesellschaft Pressnitztalbahn mbH“ aus Jöhstadt. Mit viel Liebe zum Detail und einem enormen Aufwand wird ständig in die Erhaltung der Fahrzeuge und der Strecke samt Infrastruktur investiert.

Allein die Wartung der Dampfloks – und ja, auch die müssen regelmäßig zum TÜV – verschlingt Unsummen an Geld. Ersatzteile liegen nicht einfach im Regal, sondern werden teilweise aufwändig als Einzelstücke gefertigt. Letztlich aber ist gerade die Dampflok die Seele eines jeden Zuges. Unvorstellbar: Der Rasende Roland mit Diesellok!

Das Besondere: Lokführer gibt es viele – und wer einmal Lokführer ist, kann sich gerne zum Dampflokführer qualifizieren und wirklich einen spannenden Beruf ausüben.

Lernen und arbeiten, wo andere Urlaub machen: auf Rügen!

„Wir bilden aus und das mit anschließender Übernahme“, erzählt Geschäftsführer Kay Kreisel. Denn die Nachfrage ist groß: „Wir suchen Dampflokführer und Dampflokheizer und dazu (sowohl männlich als auch weiblich): Zugleiter, Schaffner und Fahrkartenverkäufer.“ Bei Interesse einfach per Mail bewerben unter: personal@pressnitztalbahn.de

Reisen wie in einer anderen Zeit – und doch im HIER und JETZT

Die „Eisenbahn-Bau-und Betriebsgesellschaft Pressnitztalbahn mbH“, kurz PRESS genannt, gilt als kompetenter Ansprechpartner für Transportlogistik auf der Schiene und der Straße. Als etabliertes mittelständisches Eisenbahnunternehmen – mit Sitz in Jöhstadt im Erzgebirge – übernahm die PRESS den „Rasenden Roland“ 2008 vom Land Mecklenburg-Vorpommern. Fast als Liebhaberei oder Hobby, denn das Kerngeschäft ist ein Anderes. Als Unterstützer der in Jöhstadt ansässigen „Museumsbahn Steinbach-Jöhstadt“ entstand somit eine wunderbare Symbiose zwischen Sachsen und der Insel Rügen.

Das wird besonders dann deutlich sichtbar, wenn Traditionszüge von Sachsen auf die Insel Rügen fahren. Mit riesigen Dampf- und Dieselloks und nicht „nur“ Schmalspurbahn. Und natürlich wieder zurück. Verbunden mit dem Bahnhofsfest in Putbus und möglichen Strandbesuchen sind alleine diese Sonderzugfahrten ein nicht alltägliches Ereignis – und ein bleibendes Erlebnis!

Zu Sonderfahrten geht es hier entlang:

Schnell mal an die Ostsee und zurück! Zum Sonderurlaub mit Volldampf nach Rügen – und andere Expresszugreisen

Im alltäglichen Schienenpersonennahverkehr kam im Jahr 2009 auf Rügen zwischen Bergen und Lauterbach Mole ein Pendelzug hinzu. Sozusagen als „ZU(G)BRINGER“, denn der Fahrplan ist  auf die Abfahrtzeiten des „Rasenden Roland“ abgestimmt, so dass der Weg von Bergen über die Ostseebäder bis nach Göhren gesichert ist und ein einzigartiges Erlebnis darstellt.

Diese Art des Reisens ist die bessere Wahl. Ein wenig entschleunigt, dafür aber mit Buffet-Wagen in immer sauberen Zügen (innen wie außen) und inmitten Rügens Natur. In den warmen Monaten sorgt ein Aussichtswagen für Cabrio-Feeling und so ist es ein Reisen wie in einer anderen Zeit, aber im HIER und JETZT.

Das wird selbst bei den Toiletten deutlich. „Schnell noch mal auf’s Klo, wer weiß, ob es im Roland eine Toilette gibt“, sagen manche Reisenden auf dem Bahnhof. JA, es gibt in den Wagen der RüBB eine Toilette. Wie aus einer anderen Zeit. Das Porzellan-Toilettenbecken mit Durchblick auf die Gleise und alles ohne Wasser – und wie in alten Tagen auf Bahnhöfen nicht benutzbar. Dafür am Putbusser Bahnhof ein modernes Toilettenhäuschen mit Wow-Effekt. Tipp: Rein gehen und selber lauschen und nicht erschrecken! Da fährt nicht gerade der Zug ab… es klingt nur so!

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Das neu erbaute und spannende Toilettenhäuschen am Bahnhof in Putbus

Ja, der Putbusser Bahnhof allein ist schon einen Besuch wert. Es gibt immer etwas zu schauen und zu entdecken. Und sei es nur das liebevoll gepflegte Grab der „Bahnhofskatze“ Wuschel.

Wuschel

Sie wurde übrigens nicht vom Zug überfahren, sondern starb an Altersschwäche. Weil Katzen schlau sind und den Fahrplan kennen :-) Die aktuelle Katze „Fienchen“ kennt sich auch aus und hat eben Respekt vor der schnaufenden Lok.

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Fienchen – immer neugierig, aber manchmal auch noch bisschen scheu

Was ist der „Rasende Roland“ im Ursprung?

Die Rügensche Bäderbahn ist keine Modellbahn, die mal eben irgendwo installiert wird. Also ist klar, dass vorher etwas gewesen sein muss, bevor die PRESS den heutigen Zustand erschaffen konnte.

Das umfangreiche Kleinbahnnetz auf Rügen entstand zwischen 1895 und 1899. Spurweite: 750 mm.
 
1918 eröffnete die Strecke zur Marinefliegerstation auf dem Bug bei Dranske. Damit erreichte das Streckennetz seine höchste Ausdehnung von rund 100 km. Mit Ende des 1. Weltkrieges war diese Strecke allerdings überflüssig und wurde 1926 ganz aufgegeben. 

Die Strecke Putbus-Göhren kristallisierte sich als wirtschaftlichste Strecke heraus.

In den Kriegswirren folgten Eigentümerwechsel, Strukturwandel... Ab 1949 wurde die Kleinbahn von der DR betrieben.

Ab 1950 setzte der Massentourismus auf Rügen ein. Die Bahnstrecke von Putbus über Binz, Sellin und Baabe nach Göhren wurde zur wichtigsten Verkehrsader.

Auch sächsische Bergarbeiter aus dem Uranbergbau suchten in Binz ihre Erholung und prägten den Begriff "Rasender Roland", der heute als Synonym für die "Rügensche Bäderbahn" gilt. Warum und wie sie auf den "Rasenden Roland" gekommen sind, ist noch nicht endgültig erforscht.

Ab 1952 ergänzte die Deutsche Reichsbahn (DR) den Fahrzeugpark mit Loks und Wagen aus Sachsen. 

Schon 1967 wurde der schwache Güterverkehr eingestellt; Expressguttransporte auf die Straße verlagert.

1994 hätte im Zuge der insgesamten Umgestaltung auch der "Rasende Roland" zur Deutschen Bahn wechseln sollen, aber die DB hatte kein Interesse. So blieb nur die Privatisierung als Alternative. Ab 1996 übernahm die "Rügensche Kleinbahn GmbH" die Betriebsführung und trat ab 1998 als Eigentümer auf.

Ab 1998 fanden zahlreiche Sanierungen statt. Sowohl an den verschlissenen Gleisen, als auch an den Fahrzeugen.

1999 kam die Strecke bis zum Molenkopf in Lauterbach hinzu und wird in den Sommermonaten - runde 100 Tage - auch direkt vom "Rasenden Roland" angefahren. Ansonsten macht das der "Zu(g)bringer)

Im März 2008 übernahm die PRESS die Geschäfte und nannte den "Rasenden Roland" - der er ja auch bleibt - "Rügensche Bäderbahn".

Weitere, detaillierte Informationen:

© Fotos / Videos – sofern nicht anders gekennzeichnet: Marius Jaster

Postscriptum: In Kürze folgen weitere Fotos… und weitere Artikel zu aktuellen Anlässen, die dann auch in diesem Artikel zu finden sind. Ein erneuter Blick ab und zu lohnt sich also!

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Autor: Marius Jaster

Aus Liebe zur Natur, besonders aber zum Meer und zu den Landschaften, die von Wind und Meer geprägt sind, bin ich seit einigen Jahren als Ostseereporter unterwegs gewesen. Jetzt treibt mich als Inselreporter die Sehnsucht bevorzugt auf die Inseln, die ich mag. Und zwar nicht nur die der Ostsee. Ich arbeite als Freier Publizist und publiziere in verschiedenen Medien durch Texte, Bilder, Filme, sowie durch eigene Bücher.


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