Ganz entspannt – während die Ostsee Millionen vernichtet und „Selina“ sich alles Schöne abfriert!

Selina_Steinfigur Sellin

Es war nichts Geringeres, als der 1. Sonntag im Jahr.

36 Grad – zumindest auf der Insel Rügen, als das Thermometer – auf Balkonien geschützt – in der Sonne stand. Im Süden Deutschlands dagegen tobte der Winter. Ein kurzer Zeitraum, der spannender nicht hätte sein können:

Thermo
Das Thermometer zeigt in der direkten Sonne auf dem Balkon in der Mittagszeit knapp 36 Grad. Im Schatten sind es immerhin auch noch 5 Grad. Vom frostigen Winter noch keine Spur.

Die Ostsee hat sich mit Hilfe des ersten Sturmes ihren Tribut in Millionenhöhe schon eingefordert und nebenbei gibt es Raclette im Buffetwagen 970-152 des Rasenden Roland, der sich ab und zu auch zum „Blues-Train“ verwandelt. Wie am 30. Dezember, wo „Micha Maass & Friends“ den Wagen zum Beben brachten.

Aber zuerst zum Sturm:

Das Tief „Zeetje“ sorgte direkt nach dem Jahreswechsel für kräftig Wirbel. Es brachte die erste schwere Sturmflut ins Land. Und damit auch Wasser, das zumindest an den Küsten erhebliche Schäden verursachte.  Rostock und Stralsund kamen glimpflich davon. Im Raum Grevesmühlen brachte das Wasser viel Seegras an Land und damit auch jede Menge Plastikmüll. Verpackungen, Plastikbecher, Getränkeflaschen, Einkaufstüten… Eben des Menschen Hinterlassenschaften.

Laut Umweltministerium sind fast alle Dünen im Land betroffen, die teilweise bis zu 10 Meter an Breite verloren haben. Die Dünenkliffs – stellenweise bis zu fünf Meter Höhe – sind nun eine Gefahr für Strandgänger. Ebenfalls sind Wanderungen an Steilküsten ein Risiko. Durch umgestürzte oder entwurzelte Bäume besteht Abbruchgefahr!

Abbruchkante_02
Der Strand zwischen Baabe und Sellin auf Rügen. Deutlich zu sehen, wie die Düne abgetragen wurde.
Treibgut
Auch jede Menge Treibgut wurde an die Strände gespült. Die Aufräumarbeiten sind in vollem Gange

Insgesamt – also mit Stärke und Folgen – sei die Sturmflut mit den aus dem Jahr 1995, bzw. 2017 vergleichbar, heißt es aus dem Umweltministerium.

Baabe
Das blaue Schild in Baabe zeigt den Wasser-Höchststand der Sturmflut von 1995. Davon war die jetzige weit entfernt.

In Wismar machten Geschäftshäuser in Hafennähe unliebsame Begegnungen mit dem Wasser. In Graal Müritz gab es am Strand schwere Schäden, ähnlich wie 2017, nur etwas näher an der Seebrücke. Die Seebrücken in Heiligendamm wurde leicht beschädigt – stärker traf es die in Zingst und Prerow, die vorerst geschlossen bleiben müssen.

Baeume
Entwurzelte Bäume gefährden die Steilküsten

In der Usedomer Inselmitte bei Zemplin hat sich die Ostsee das geholt, was sie schon 2017 als ihr Eigen betrachtete: Den Sand vom Strand. 2018 wurde der Strand mit hohem Aufwand und rund einer Million Euro „repariert“. Etwa 40 Prozent des Sandes sind nun wieder weg.

Auf Rügen wurde Göhren hart getroffen. Gr0ße Teile der Düne am Nordstrand sind abgetragen und Strandzugänge ausgespült. Die Abbruchkante der Düne ist bis zu drei Meter hoch – der finanzielle Schaden noch nicht zu beziffern. Auch hier wurde die Seebrücke in Mitleidenschaft gezogen und musste zeitweise gesperrt werden.

Die Insel Hiddensee hat keine besonderen Schäden erlitten. „Hier ist alles heil geblieben. Nur kleine Abbrüche, und die sind im Rahmen“, sagt Bürgermeister Thomas Gens.

Nach der Sturmflut 2017 hat das Land Mecklenburg-Vorpommern rund 10 Millionen Euro in die Reparatur der Küstenabschnitte investiert – und nun einen Teil davon wieder verloren. Ein Zeichen, dass doch der Mensch von der Natur lernen, sie respektieren und sich an sie anpassen darf – und nicht die Natur an den Menschen!

Eine außergewöhnliche „Schweinerei“ gab es vor dem Hotel Bernstein in Sellin. Hier wirkten die Grünflächen wie umgegraben.

Wildschweine
„Wir waren hier! Schweinsstarke Weihnachtsfeier 2018“ steht auf dem Schild. Schön, wer es so mit Humor sehen kann und eine Rotte Wildschweine zeigt – natürlich mit Weihnachtsmütze!

Gemütlicher als direkt an der See ging es da im „Rasenden Roland“ zu.

Kontrabass
Wenn so ein Kontrabass in den Buffetwagen 970-152 „einsteigt“, geht kurz darauf die Party ab

Kein geringerer als Micha Maass (Initiator des Binzer „Blue-wave-Festivals“) und zwei seiner Freunde trafen sich am 30. Dezember für eine „Jahresabschluss-Blues-Reise“ im Buffetwagen 970-152. Der „Rasende Roland“ hat ja seit April 2018 in einem seiner Züge diesen ganz speziellen Buffetwagen, der nicht nur Buffetwagen, sondern auch Kunstausstellung, Konzertsaal, Treffpunkt… ist. Bei Interesse findest Du alle Details zu diesem einzigartigen Buffetwagen in diesem Artikel:

UFO-Alarm auf der Insel Rügen!

Aber zurück zum Blues: Es geht nicht, und doch geht es! Kontrabass, Gitarre, Schlagzeug – und dadurch beste Laune -im Buffetwagen einer Kleinbahn!

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Hier sind einfach ein paar Eindrücke per Video – und ganz zum Schluss dann der letzte Schrei: Raclette im Buffetwagen!

Wie geht das? Raclette im Buffetwagen! Egal wie – ES GEHT!

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Sicher einzigartig für Rügen: Raclette mit dem speziellen Réchaut aus der Schweiz, das mit Teelichtern geheizt wird. Passt fast in die Hosentasche!

Und so konnte Rainer Seelhoff, Zugführer beim „Rasenden Roland“ gleich seine „Henkersmahlzeit“ genießen. Denn ab 2019 ist alles anders.

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Zugführer Rainer Seelhoff genießt an Silvester seinen letzten Abend als Zugführer beim Rasenden Roland. Natürlich gemeinsam mit Tobias Keucher, dem Betreiber des Buffetwagens 970-152 – und Raclette im Buffetwagen
Rainer Seelhoff
Zugführer Rainer Seelhoff – fast ein halbes „Rolands-Leben“ dabei
Sein Abschied ist mit ein bisschen Wehmut verknüpft – aber er wurde ihm am Silvesterabend im Buffetwagen 970-152 bei Raclette und Fondue in kleiner, gemütlicher Runde versüßt. Seit 123 Jahren ist der „Rasende Roland“ auf den Rügener Gleisen unterwegs. Runde 40 Prozent dieser Zeit war ER mit dabei: Rainer Seelhoff, „Baujahr“ 1952. Eine Zeit, aus der auch die letzten Dampflokomotiven stammen, die heute noch den „Roland“ schnaufend und pfeifend durch Rügens Landschaft ziehen. Eine davon, die er am 1. Januar ein letztes Mal ankoppelt.

Für Rainer Seelhoff begann alles 1969 mit einer Lehre bei der damaligen Deutschen Reichsbahn – aber immer beim „Rasenden Roland“. Erst in der Gepäckabfertigung, dann als Rangierer. Später war er Rangierleiter und letztlich Zugführer. Das ist also Karriere zum Chef des Zuges, dem vom Lok-Personal bis zum Schaffner alle unterstellt sind.
Seelhoff richtig
Auch das An- und Abkoppeln der Lokomotiven steht unter seinem Kommando. Auf die Frage, was ihm als skurrilstes Erlebnis im Gedächtnis hängt, fand er auf die Schnelle keine Antwort. Keiner hat sein Kind am Bahnhof vergessen und auch sonst gibt es keine Dramen. Dafür erzählt Buffetwagen-Betreiber Tobias Keucher, der erst seit April 2018 diesen einzigartigen Buffet-Wagen betreibt, seine Erlebnisse mit Rainer Seelhoff: „Das ist einer, der nach fast einem halben Jahrhundert bei einer 5-Tage Woche immer auf derselben Strecke noch aus dem Fenster schaut und ständig Neues entdeckt.“ Und das sind dann die Kleinigkeiten, für die manch Anderer keinen Blick hat: „Kuck mal, da sind die Rehe“, oder „He, dort sind ja Fasane auf der Wiese“ oder es sind eben die Wildschweine, die ja auch nicht jeden Tag zu sehen sind.Und weil es so schön ist, geht Rainer Seelhoff auch nicht direkt in Rente. Er wird weiter mit dem „Rasenden Roland“ durch Rügens Landschaft fahren. Zwar „nur“ als Zugbegleiter, aber ganz sicher mit offenen Augen und einer ungestillten Neugier nach dem, was er vielleicht noch nicht gesehen hat.

Buffetwagenbetreiber Tobias Keucher freut sich auf noch viele Fahrten mit ihm. „Durch ihn bin ich hier schneller angekommen“. Und Rainier Seelhoff freut sich ganz bestimmt auf noch viele Stunden in diesem Buffetwagen. „Der ist so anders, als das was man kennt“ sagt er beim Raclette-Abschiedsabend. Einzig die Wehmut bleibt.
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Raclette im Buffetwagen. Geiler geht’s nimmer!

Fotos/Videos: © Marius Jaster

Zum Titelfoto: Nackedei "Selina" hieß im Ursprung "Kaysa", denn Kaysa stand bei Thomas Jastram Modell, daher der skandinavische Name. Später wurde die Figur in "Selina" umbenannt. Das heißt übersetzt: "Die Himmlische". Sie ist 1,68 Meter groß und trotzt seit 2014 am Selliner Südstrand Wind und Wetter. 

Autor: Marius Jaster

Aus Liebe zur Natur, besonders aber zum Meer und zu den Landschaften, die von Wind und Meer geprägt sind, bin ich seit einigen Jahren als Ostseereporter unterwegs gewesen. Jetzt treibt mich als Inselreporter die Sehnsucht bevorzugt auf die Inseln, die ich mag. Und zwar nicht nur die der Ostsee. Ich arbeite als Freier Publizist und publiziere in verschiedenen Medien durch Texte, Bilder, Filme, sowie durch eigene Bücher.


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